Handball-Oberliga: Notfall sorgt für Derby-Abbruch

Doberans Alexander Stöwsand drohte an seiner Zunge zu ersticken / Der Usedomer Torwart Sebastian Antczak leistete Erste Hilfe

Für einen gewaltigen Schrecken bei allen Anwesenden sorgte am Sonnabend die Schlussszene des MV-Derbys der Handball-Oberliga Ostsee-Spree HSV Insel Usedom gegen den Bad Doberaner SV.

Gerade einmal acht Minuten war die Partie in der zweiten Halbzeit alt, da musste das Spiel beim Stand von 19:17 unterbrochen werden. Auf der Doberaner Bank herrschte plötzlich hektisches Treiben. Schnell war erkennbar, dass DSV-Spieler Alexander Stöwsand umgehend medizinische Hilfe benötigt. HSV-Torwart Sebastian Antczak erkannte den Ernst der Lage blitzschnell: „Stöwsand hatte wohl kurz zuvor einen Schlag abbekommen. Dabei verschluckte er die Zunge und unterbrach damit die Sauerstoffzufuhr“, so Antczak, der als Rettungssanitäter tätig ist.

Gemeinsam mit Christian Meißner, dem Physiotherapeuten der DSV-Handballer gelang es ihm, notwendige Maßnahmen bis zum Eintreffen des Notarztes umzusetzen. „In so einer Situation überlegt man nicht lange, sondern hilft, wo man kann“, erklärte Antczak. Für Gänsehaut sorgte der Moment, als Stöwsand zumindest so weit stabilisiert war, dass er auf eigenen Füßen die Halle verlassen konnte und zur Kontrolle in die Greifswalder Uniklinik gefahren wurde. Er und die Helfer wurden vom Publikum mit Beifall verabschiedet.

Die Trainer beider Teams einigten sich schnell darauf, die Partie nicht wieder anpfeifen zu lassen. Die Partie soll nach dem Wunsch beider Vereine nachgeholt werden. Es ist davon auszugehen, dass die Spielleitung der Liga diesem Wunsch nachkommt.

„Wir haben Antczak viel zu verdanken“, äußerte sich gestern DSV-Trainer Matthias Schmidt gegenüber der OZ. Dem Coach steckte der Schreck noch in den Knochen, dafür hatte er gute Nachrichten. „Ich hatte am Vormittag Kontakt mit Stöwsand. Es geht ihm den Umständen entsprechend gut“, sagte Schmidt.

Andreas Dumke (Ostsee-Zeitung vom 5. Oktober 2020)