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Verein   |   02.05.2011, 15:10 Uhr
Kompletter Rücktritt der Verantwortlichen

Schiedsrichterwesen in M-V am Scheideweg?

Paukenschlag in den vorderen Reihen des Handballverbandes Mecklenburg-Vorpommern: Der sechsköpfige Schiedsrichterausschuss hat mit sofortiger Wirkung seine Ämter und Funktionen im Verband niedergelegt.

Rechtzeitig nach dem Ende der Saison im Land hat der Ausschuss die Konsequenzen aus den seit Jahren anhaltenden Problemen im Schiedsrichterwesen, sowie der nach eigener Aussage fehlenden Bereitschaft zu deren Lösung, gezogen.

Die ehemalige Auschussleiterin und Schiedsrichterwartin Jennifer Gehls hat dazu einen offenen Brief an alle Vereine des Landes geschickt.

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Offener Brief zum Rücktritt der Mitglieder des Schiedsrichterausschusses

Liebe Sportfreundinnen und Sportfreunde,

der Schiedsrichterausschuss betrachtet mit großer Sorge die Entwicklung im Schiedsrichterwesen und die Wirkungsmöglichkeiten des Schiedsrichterausschusses im Handballverband Mecklenburg-Vorpommern. Bereits im November 2009 wurde anlässlich der Schiedsrichterausschusssitzung mit dem Präsidenten des HVMV auf den ständigen Rückgang der verfügbaren Schiedsrichter und die sich daraus ergebenden qualitativen und quantitativen Auswirkungen für den Spielbetrieb mit allem Nachdruck aufmerksam gemacht. Im Mai 2010 wurden die konzeptionellen Überlegungen des Schiedsrichterausschusses dem Präsidium des HVMV ausführlich vorgestellt. Anstatt nunmehr zielstrebig an die Umsetzung zu gehen und unter Nutzung der überaus positiven Erfahrungen anderer Landesverbände die Ideen weiterzuentwickeln und die Umsetzung anzugehen, folgten personelle Zuständigkeitsrochaden im Präsidium, immer neue Forderungen nach Konzepten und Formalien, wie bspw. das Ausarbeiten von Ordnungen. All das hat dazu geführt, dass der Erosionsprozess bei den Schiedsrichtern weiter vorangeschritten ist und selbst an normalen Spieltagen nicht mehr alle Spiele aus eigener Kraft abgesichert werden können. Selbst diese Situation wurde durch das Präsidium noch nicht als Alarmsignal gesehen, sondern in dieser Saison verstärkt Schiedsrichter anderer Landesverbände zum Einsatz gebracht.

Neben dem damit einhergehenden Ansehensverlust unseres Landesverbandes fehlt im eigenen Land nunmehr die Substanz aus der der Gesamtentwicklung gegengesteuert werden kann. Der Schiedsrichterkader umfasst mittlerweile nicht einmal mehr 40 einsetzbare Schiedsrichterteams. Dieser Abwärtstrend setzt sich weiter dramatisch fort, viele Sportfreunde sind überlastet, Familien- und Privatleben bleibt auf der Strecke und Beschwerden von Vereinen häufen sich. Der Aufwand, den Spielbetrieb Woche für Woche abzusichern, beträgt 20-30 Wochenstunden. Daneben sind aus Zeitgründen keine weiteren Aktivitäten für die Weiterentwicklung des Schiedsrichterwesens und die Verbesserung der Qualität mehr möglich. Diese Chancen wurden vertan.

Das Schiedsrichterwesen wird von vielen Verantwortlichen im Verband und in den Vereinen immer noch als notwendiges Übel und nicht als integraler Bestandteil des
Handballsportes angesehen, so dass sich bei nüchterner Betrachtung an der jetzigen Situation nichts ändern wird.

Die Schiedsrichterwartin und der Schiedsrichterausschuss sind ehrenamtlich tätig. Der Handballsport ist ein Hobby, das in der Freizeit durchgeführt wird und Spaß und Erfolg bringen soll. In diesem Umfeld allerdings ist für uns die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und ehrenamtlicher Tätigkeit nicht mehr gegeben. Deshalb legen wir mit sofortiger Wirkung unsere Funktionen im HVMV nieder.

Wir möchten uns bei allen Sportfreundinnen und Sportfreunden bedanken, die uns über viele Jahre in unserem Wirken für den Handballsport begleitet aber auch persönlich unterstützt haben.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag

Jennifer Gehls

Robert French