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Final Four 2011, 2.Männer   |   18.04.2011, 08:01 Uhr
Final Four-Endrunden um den Handball-Landespokal der Männer und Frauen

Doberans „weißes Ballett“ verpasst nur knapp den Einzug ins Finale

Im Halbfinale gegen den Drittligisten aus Loitz fehlte den Münsterstädtern das Glück. Den Pokal holte sich der Stralsunder HV.

Handball
— Als das Schiedsrichtergespann das Semifinale zwischen den gastgebenden Männern vom Bad Doberaner SV II und vom HSV Peenetal Loitz nach sechzig Minuten beendeten, hielt es keinen der rund 300 Zuschauer mehr auf den Sitzen. Doch noch brandete bei keinem der beiden Fanlager Jubel auf — eine Entscheidung war noch nicht gefallen.

Diese fiel erst kurze Zeit später im Siebenmeterwerfen. Hier zogen die Doberaner Männer letztlich mit 1:3 den Kürzeren .

Nach dem Ende der regulären Spielzeit hatten sich die Münsterstädter ein respektables 27:27-Unentschieden gegen den favorisierten Drittligisten erkämpft. In der anschließenden „Lotterie“ vom Siebenmeterpunkt versagten den DSV-Schützen gleich dreimal die Nerven. Damit zerplatzte der Traum vom Finale, den man zuvor unerwartet lange hatte aufrecht erhalten können.

„Die Jungs haben toll gekämpft. Es war eigentlich kein Klassenunterschied zu erkennen“, sagte Ute Busch nach dem Abpfiff. Damit vertrat die Leiterin der Doberaner Handballabteilung die Meinung vieler Fans, die sich vom Geschehen auf der Fläche bestens unterhalten fühlten.

Dabei gab es bereits vor dem Anpfiff die erste Schrecksekunde: Der erfahrene Henning Rottig verletzte sich beim Aufwärmen und konnte seiner Mannschaft in deren „Spiel des Jahres“ nicht unterstützen.

Für ihn rückte Florian Glamann aus der ersten Mannschaft in die Anfangsaufstellung. Er wurde von DSV-Trainer Jan Mietzelfeld zusammen mit Falk Heinrich, Hein Wiebe und Jan Ritzrau in den Kader für das Final Four gerufen und steuerte fünf Treffer zur Beinahe-Pokalsensation bei.

„Florian hat seine Sache richtig gut gemacht“, lobte Mietzelfeld den langen Schlacks im Rückraum, der sich auch in der Abwehr gute Noten verdiente.

Das knappe Scheitern hatte Doberans Coach da aber noch nicht verdaut. „Wir haben sechs klare Chancen von Außen weggelassen, hinzu kommen die zwei vergebenen Siebenmeter während des Spieles“, haderte Mietzelfeld mit der Torausbeute und trauerte zudem der Möglichkeit im letzten Angriff hinterher: Hier hatte der Verbandsligist die Chance zur ersten eigenen Führung, die für den Einzug in das Finale ausgereicht hätte. Der Wurf vom guten Glamann landete aber am Arm des Loitzer Keepers, der seine Finger auch bei den darauffolgenden Strafwürfen zwischen Ball und Tor bekam und zum Loitzer Matchwinner avancierte.

Dass die Partie in der Schlussphase überhaupt noch einmal eng wurde, hatten sich die Vorpommern selbst zuzuschreiben. Nach einer vermeintlich komfortablen 22:17-Führung (43.) ließen sie die Zügel schleifen und wurden dafür am Ende fast bestraft. Zum Leidwesen der Doberaner aber nur fast.

Im zweiten Halbfinale hatte der Stralsunder HV (3. Liga Nord) keine Probleme mit dem Vorletzten der Verbandsliga West, dem SV Crivitz. Auch mit einigen Spielern aus der zweiten Reihe setzte sich der Titelverteidiger deutlich mit 41:23 (21:10) durch. Die Sundstädter hatten am Vortag noch ein Nachholspiel gegen den SV Beckdorf (26:24) bestritten und gönnten ihrer ersten Sieben eine Verschnaufpause.

Diese endete dann im Finale, in dem es zu einem Duell zweier Liga-Konkurrenten kam. In der Drittliga-Spielzeit hatte der HSV Loitz beide Partien mit dem SHV verloren, und auch das dritte Aufeinandertreffen ging an die Männer vom Sund.

Mit 30:21 (16:9) holten Letztere den „Pott“ zum zweiten Mal in Folge in die Hansestadt. „Wir hatten das leichtere Halbfinale und konnten hier einige Spieler schonen. Die erste Sieben war dann im Finale ausgeruht“, erklärte SHV-Trainer Ulf Ganzert, noch bevor Mannschaftskapitän Markus Dau den Pokal in die Höhe recken konnte. „Dass wir so dominieren, hätte ich nicht gedacht“, war Ganzert über den klaren Finalsieg überrascht.

Wenig überrascht war Jörg Dombdera vom erfolgreichen Gelingen der Veranstaltung in der Bad Doberaner Stadthalle. „Es war eine sehr gute Organisation. Das war uns eigentlich bei der Bewerbung des DSV schon klar und hat sich, nachdem wir den Zuschlag erteilt haben, auch bestätigt“, lobte der Geschäftsführer des Handballverbandes Mecklenburg-Vorpommern (HVMV) den Ausrichter.

„Die Öffentlichkeitsarbeit war auf einem Niveau, wie wir sie bei einem Final Four noch nie hatten“, führte er seine Wertschätzung für die Doberaner Verantwortlichen weiter aus. Trotz der zeitgleichen Konkurrenz — die deutsche Nationalmannschaft spielte am selben Tag in Schwerin gegen Norwegen — war die Halle voll. „Das ist top! Wir haben zudem guten Sport gesehen, sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen (siehe nebenstehenden Bericht/d. Red.)“, meinte Dombdera weiter.

Auch Brigitte Franz, Trainerin des Endrundenteilnehmers TSG Wismar II, war begeistert: „Das, was Doberan hier vorbereitet hat, war allererste Klasse. Wir waren gerne hier.“ Bei all den positiven Stimmen konnte auch Ute Busch am Ende vor Freude strahlen. „Es war ein toller, gelungener Tag. Die Organisation hat super geklappt, alle haben gut mitgearbeitet. Ich denke, dass sich hier alle — ob Mannschaften oder Zuschauer — wohlgefühlt haben“, lautete ihr Fazit. Neben den sportlichen Darbietungen sorgte auch eine Einlage des Doberaner Karnevalklubs vor dem Frauen-Finale für gute Stimmung auf der Tribüne. Gute Stimmung herrschte auch bei den DSV-Verantwortlichen, denn das Event war auch wirtschaftlich ein Erfolg für den Verein. Ein Teil der Einnahmen wird der Handball-Jugend des Vereins zu Gute kommen.

Robert French (OSTSEE-ZEITUNG)
Marcus Schlette traf im anschließenden Siebenmeterwerfen als einziger Doberaner.
Florian Glamann half in der Zweiten aus und erzielte fünf Tore.
Das Doberaner Team verfolgte geschlossen das Geschehen im Siebenmeterwerfen. Jedoch fehlte den DSV-Schützen das Wurfglück.