Doberaner Handballer patzen in Schwerin

Trotz 24:24-Remis bei der Reserve der Mecklenburger Stiere klettert die DSV-Sieben vorübergehend an die Tabellenspitze.

Die Handballmänner des Bad Doberaner SV haben die unerwarteten Ausrutscher der unmittelbaren Konkurrenz in der Mecklenburg-Vorpommern-Liga nicht vollends für sich nutzen können. Während Fortuna Neubrandenburg sowie die TSG Wismar auswärts knapp unterlagen und der Ribnitzer HV in seinem Heimspiel erneut nicht über ein Punkteteilung hinauskam, mussten sich auch die DSV-Handballer bei den Mecklenburger Stieren II letztlich mit einem Unentschieden begnügen. Das 24:24 (14:11)-Remis in der Landeshauptstadt schmeichelte schlussendlich sogar den Doberanern.

„Wenn wir das Positive aus dem Spiel mitnehmen wollen, dann ist es, dass wir nicht verloren haben. Und die Mannschaft hat in der Schlussphase noch einmal Mentalität gezeigt und hat sich trotz des Rückstands nicht aufgegeben“, meinte DSV-Trainer Matthias Schmidt. In der Tat sah es beim Stand von 23:20 (55.) schon nach der dritten Saisonpleite für die personell gebeutelten Gäste aus. Mit einem Kraftakt und dem wiedergefundenen Mut zum Risiko erbeuteten die Doberaner zum Auftakt der Rückrunde zumindest noch einen Zähler.

Dieser Spielverlauf war eine knappe Stunde zuvor zunächst nicht vorherzusehen. Nach 13 Minuten führten die Gäste mit 9:3 und hatten die Partie vor lediglich 60 Zuschauern in der Schweriner Kästner-Sporthalle eigentlich komplett im Griff. Allerdings zog auf Seiten der Doberaner in der Folge sukzessive der Schlendrian ein. Vor allem im Angriff wollte fortan so gut wie nichts mehr klappen. „Es hat eindeutig in der Offensive gehapert. Die Köpfe waren plötzlich nicht mehr frei, die Körpersprache war dann entsprechend“, monierte Matthias Schmidt. 

Der 42-Jährige hatte das aufkommende Unheil schon früh kommen sehen und in der Auszeit abgesprochen – da führte der DSV noch vermeintlich sicher mit 10:5 (17.). „Wir haben uns gegen die offensive Deckung der Schweriner nicht mehr genügend bewegt“, so Schmidt. Dieses Manko legten die Doberaner dann im Grunde erst in den letzten Minuten wieder ab. Die jungen Schweriner, die als Vorletzter der Tabelle nach der in der Vorwoche erlittenen Heimklatsche gegen Demmin (22:35) auf Wiedergutmachung aus waren, nahmen die zunehmende Unsicherheit der Gäste dankend an. 

Beim 11:12 (28.) waren sie schon vor der Pause zwischenzeitlich wieder auf Tuchfühlung und übernahmen in der Schlussphase gegen den wankenden Oberliga-Absteiger die Führung. Erst die Paraden des spät eingewechselten Florian Voigt gaben schließlich das Signal für die erfolgreiche Doberaner Aufholjagd.

„Einzig die Torhüter haben heute ihre Leistung gezeigt. Uns fehlte in der schwierigen Phase etwas die ordnende Hand“, bilanzierte Matthias Schmidt, der die die Partie auf der Bank im Spielerdress verfolgte. „Ein Einsatz war nur für den absoluten Notfall geplant“, so der DSV-Coach, der in Schwerin neben dem langzeitverletzten Martin Koszinski sowie den beiden Routiniers Alexander Stöwsand (Sprunggelenk) und Oliver Wende (Adduktoren) auch auf Michael Höwt verzichten musste. Letzterem droht mit dem Verdacht auf Riss des Syndesmosebandes sogar das vorzeitige Saisonaus. 

Kurios: Mit dem glücklichen Punkt in der Landeshauptstadt konnten die Doberaner Handballer (19:5 Punkte) sogar vorübergehend auf Tabellenrang eins klettern. Überwintern werden sie aber – unabhängig vom Ausgang des bevorstehenden Spitzentreffens der beiden punktgleichen Verfolger aus Ribnitz und Neubrandenburg (je 18:4) – auf jedem Fall auf Platz zwei. Am kommenden Sonnabend steht für die DSV-Sieben noch die nachzuholende Pokalaufgabe beim Plauer SV auf dem Programm.

Stiere Schwerin II: Gleffe, Lampe – Steinmüller 3, Wrede, Bornath, Schulz 3, Wagner, Warnst, Raatz, Schwaß 10/7, Schröter 1, Schubert 1, Meier 3, Leu 3.

Doberaner SV: French, F. Voigt – S. Voigt 5/5, Schmidt, Seidel, Hasenpusch 3, Paul 2, Finkenstein 6, Steinberg 1, Wilhelm 4, Lehwald, Rasch 3.

Siebenmeter: Schwerin 7/7, Doberan 5/5

Strafminuten: Schwerin 8, Doberan 10.