Bad Doberaner SV verliert Topspiel in Spitzenposition

Kreisläufer Daniel Finkenstein ging mit dem Schluss-Signal enttäuscht zu Boden, setzte sich einen Augenblick aufs Spielfeld und versank in seinen Gedanken. Viele seiner Mitspieler blieben verwundert stehen, senkten die Köpfe und mussten sich ebenfalls erst sammeln. Auch Cheftrainer Andreas Köster brauchte einige Minuten, um das Erlebte zu verarbeiten. Die Handballer des Bad  Doberaner SV unterlagen am Sonnabend vor rund 300 Zuschauern in der Stadthalle im prestigeträchtigen Topspiel der MV-Liga gegen den Ribnitzer HV mit 23:25 (10:13). Die Enttäuschung darüber war groß.

„Es war klar, dass die Ribnitzer hier sehr präsent und motiviert auftreten werden. Wir haben es in der ersten Halbzeit nicht geschafft, dem Gegner unser Spiel aufzudrücken. Nach einigen Wechseln und Umstellungen lief es in der zweiten Hälfte besser und wir sind gut zurückgekommen. Es mangelt aber noch an Konstanz. Dennoch haben wir gezeigt, dass wir modernen Handball spielen wollen und können“, analysierte Köster. Am Ende sei der Ribnitzer Sieg nicht unverdient, meinte der 52-Jährige. „Sie haben sich jedes Tor erkämpft, wirkten eingespielter.“

Nach ausgeglichener Anfangsphase bis zum 4:4 (11.) mussten die Hausherren die Gäste davonziehen lassen. Der ehemalige Bad Doberaner Ben Meyer traf zum 7:4 (15.). Der 24-jährige Rückraumspieler erzielte insgesamt starke zwölf Treffer und war damit der Mann des Abends. Meyer war im Sommer zu seinem Heimatverein zurückgekehrt. Dort spielen mit Torwart Sebastian Prothmann, der in der ersten Halbzeit viele DSV-Chancen vereitelte, Linksaußen Tom Kröplin und Spielmacher Yan Vizhbovskyy noch drei weitere frühere Bad  Doberaner. Letzterer sorgte mit seinem Treffer zum 13:9 (28.) für den RHV für den höchsten Rückstand der Münsterstädter. DSV-Coach Andreas Köster beordete dann Jonathan Seidel in die Rückraummitte. Ein guter Schachzug, denn zu Beginn des zweiten Durchgangs starteten die Bad  Doberaner eine Aufholjagd. Michael Höwt besorgte den Ausgleich zum 15:15 (40.). In der Folge drehten die Gastgeber sogar das Spiel, führten 18:16 und 19:17 (45.). Sie verpassten es allerdings in dieser Phase, noch weiter davonzuziehen. Stattdessen traf Nick Meyer, der jüngere Bruder von Ben, zum 19:19 (48.) für den Ribnitzer HV.

In der spannenden Schlussphase ging es zunächst hin und her, bis der eingewechselte RHV-Schlussmann Tom Moritz sein Tor quasi vernagelte und nach der 23:22-Führung der DSV-Sieben keinen weiteren Doberaner Treffer mehr zuließ. Auf der Gegenseite war noch dreimal Ben Meyer erfolgreich und warf seine Mannschaft zum umjubelten Sieg. Während die Ribnitzer Spieler ihren Erfolg lautstark feierten, haderten die Bad  Doberaner mit sich aufgrund ihrer vielen vergebenen Chancen.

DSV-Torwart Robert French (35) sagte: „Für uns war es eine unnötige Niederlage. Allerdings ist der Ribnitzer Erfolg in der Summe nicht unverdient. In einem Spiel auf Augenhöhe haben sie vor allem in der Schlussphase weniger Fehler gemacht.“ Den Doberanern habe in den entscheidenden Momenten die nötige Ruhe und Übersicht gefehlt. „Zudem haben wir in Überzahl nicht die richtigen Lösungen gefunden“, kritisierte der Routinier.

Andreas Köster versammelte sein Team kurz nach dem Schlusspfiff und richtete es auf. „Die Jungs sind fleißig und trainieren gut. Wir brauchen noch etwas Zeit. Und es ist ja nichts verloren. Die Teams an der Tabellenspitze liegen weiter eng beisammen“, meinte der DSV-Trainer. Ziel müsse es sein, in den verbleibenden Auswärtsspielen bis Jahresende sich eine gute Ausgangslage für die Restsaison in der höchsten Landesspielklasse zu erarbeiten. Weiter geht’s für den Bad  Doberaner SV (jetzt 4.  Platz, 16:4  Punkte) am Sonnabend (18  Uhr) beim Tabellensiebten HSV  Grimmen. Neuer Spitzenreiter ist die TSG  Wismar mit 17:3  Zählern, Zweiter der Ribnitzer  HV (16:2).

Bad  Doberaner SV: French, F.  Voigt – Hasenpusch  7/1, Höwt  3/1, Steinberg  2, Lewwald, Finkenstein 4, Paul, Wende, Seidel  4, Wilhelm.

Ribnitzer HV: Prothmann, Moritz – Jacobsen  5/4, N.  Meyer  3, B.  Meyer  12, Dukart  2, Brandt  1, Kröplin  1, Wiegratz, Rose.

Siebenmeter: DSV  4/2, RHV  4/4.

Strafminuten: DSV  2, RHV  10.

Tommy Bastian (OSTSEE-ZEITUNG)