Christian Hasenpusch kassierte nur wenige Sekunden nach seinem dritten Treffer im Derby beim SV Warnemünde seine dritte Zeitstrafe und musste das Feld vorzeitig verlassen.

DSV-Sieben behauptet sich in spannendem Derby beim SVW

So ausgelassen haben die Handballer des Bad Doberaner SV lange nicht gejubelt. Nach dem 28:26 (14:17)-Erfolg im MV-Liga-Derby beim SV Warnemünde skandierten sie „Auswärtssieg, Auswärtssieg!“ und vollführten ein ausgiebiges Tänzchen. Die Freude war verständlich, denn der Sieg im Spitzenspiel vor 250 Zuschauern – mehr als die Hälfte kamen aus der Münsterstadt – in der ausverkauften Halle am Gerüstbauerring in Groß Klein war hart erkämpft.

Es ist ein Glücksmoment für mich, diese Mannschaft zu trainieren“, ließ DSV-Trainer Andreas Köster nach dem Abpfiff seinen Emotionen freien Lauf. Er hatte auch allen Grund, stolz zu sein, weil: „Wir haben trotz zwischenzeitlicher Rückstände in keiner Phase den Kopf in den Sand gesteckt.“ In der Tat gingen die Gäste erst zehn Minuten vor dem Ende zum ersten Mal in Führung (22:23). Wie sie dieses Plus trotz einiger widriger Umstände ins Ziel brachten, nötigte Respekt ab.

In einer dramatischen Schlussphase legte der sich steigernde Torwart-Routinier Robert French (35) den Grundstein für den knappen Sieg. 30 Sekunden vor dem Abpfiff – der DSV agierte in Unterzahl und führte mit 27:26 – parierte er einen Siebenmeter von Lasse Goldschmidt, dem Dreh- und Angelpunkt im Warnemünder Spiel. Im Anschluss gingen die Hausherren zur kompletten Manndeckung über, doch die Bad Doberaner fanden die entscheidende Lücke und machten durch Daniel Finkenstein alles klar.

Danach hatte es freilich lange Zeit nicht ausgesehen. Nach einer ausgeglichenen Anfangsphase zogen die Einheimischen plötzlich recht schnell auf 13:9 (23.) davon. Begünstigt wurde dieser Zwischenspurt durch zahlreiche, nicht immer nachvollziehbare Zeitstrafen. Insgesamt verhängten die Unparteiischen 26 Strafminuten – für ein überaus faires Derby viel zu viel. „Hauptopfer“ dieser Flut wurde DSV-Torjäger Christian Hasenpusch, der 20 Minuten vor dem Ende die Rote Karte sah.

Da lag die Köster-Truppe noch immer mit 19:22 im Hintertreffen, doch genau jetzt ging ein Ruck durch die Mannschaft, der angesichts des Fehlens der angeschlagenen Sebastian Voigt, Alexander Stöwsand und Martin Koszinski die Rückraumspieler ausgingen. Vor der Pause hatten die Doberaner darüber hinaus ein in dieser Saison noch nicht gesehenes Abwehrproblem. „Vor mir stand zwar eine gelbe Wand, aber jeder hat für sich verteidigt“, verdeutlichte French das Problem, das nach dem Wechsel jedoch gelöst wurde.

Plötzlich setzte das DSV-Team das um, was Handball-Abteilungsleiter Torsten Römer als Zuschauer in der Halbzeit so formulierte: „Wenn wir das Ding noch drehen wollen, müssen wir zu unserer Abwehrstärke zurückfinden.“ Nur neun Gegentreffer im zweiten Abschnitt sprechen eine deutliche Sprache. In der Schlussphase führten die Gäste, bei denen Michael Höwt und Christoph Rasch neben Robert French nicht nur wegen ihrer zusammen 15 Tore herausragten, mit 25:22 (49.) und 27:24 (56.), doch die endgültige Entscheidung fiel erst mit dem Abpfiff – durch Finkensteins 28:26.

Damit verteidigte der DSV (jetzt 16:2 Punkte) seine Tabellenführung und kann sich auf das nächste Topspiel freuen, das für die Fans mit Sicherheit ein weiterer Leckerbissen wird. Am kommenden Sonnabend (19 Uhr, Stadthalle) empfangen die Münsterstädter den Ribnitzer HV (14:2/Platz 3), der am Wochenende einen 38:21-Kantersieg gegen Einheit Demmin feierte.

SV Warnemünde: Hintze, Härtel – Goldschmidt 7/1, Schulz 2, Holst 2, Spitzner 6, Mielke, Bardosch 2, Reiser 7, Kalbe, Schmidt, Schmeling.

Bad Doberaner SV: French, F. Voigt – Höwt 9/4, Seidel 2, Hasenpusch 3, Paul 2, Finkenstein 2, Wende, Steinberg 3, Wilhelm 1, Rasch 6, Lehwald.

Siebenmeter: Warnemünde 3/1, Doberan 6/4.

Strafminuten: Warnemünde 10, Doberan 16 inklusive Rot gegen Hasenpusch nach der dritten Zeitstrafe (40.).