Trauer, Frust und Leere: Der Bad  Doberaner SV steigt ab

Die Münsterstädter unterliegen nach schwacher erster Halbzeit mit 25:31 gegen den BFC  Preussen und steigen erstmals nach 13 Jahren in die MV-Liga ab.

Jetzt ist es amtlich: Handball-Oberligist Bad Doberaner SV wird Fortuna Neubrandenburgin die MV-Liga begleiten. Die Münsterstädter verloren am Sonnabend ihr Heimspiel gegen den BFC Preussen mit 25:31 (7:17) und verspielten damit die Mini-Chance auf den Klassenverbleib. Vor gut 300 Zuschauern in der Stadthalle blieben sie in der ersten Hälfte nahezu alles schuldig, fanden aber wenigstens nach der Pause ein wenig besser in die Partie.

Doch zunächst trauten die Fans ihren Augen nicht. Anstatt mit Engagement die letzte Hoffnung am Leben zu erhalten, brachten die Hausherren kein Bein aufs Spielfeld. Einzelaktionen, Fehlwürfe, technische Fehler – der DSV machte es dem Kontrahenten einfach. Die Folge: Schon beim 7:17 zur Pause war die Begegnung entschieden. „Uns fehlte jegliche Aggressivität, die Chancenverwertung war erbärmlich“, fand Trainer Andreas Kösterklare Worte für die blutleere Vorstellung seiner Sieben.

Die Mannschaft fing sich zwar nach dem Seitenwechsel, doch da hatte ihr die Angriffseffektivität von knapp 30 Prozent vor der Pause längst das Genick gebrochen. So half auch der mit 18:14 gewonnene zweite Abschnitt nicht mehr. Gäste-Trainer Alexander Schwabe be­dauerte den Abstieg der Doberaner („der DSV gehört in die Oberliga“), hatte ansonsten aber Luxussorgen: „Bei zehn Toren Vorsprung war es gar nicht so einfach, die Spannung aufrechtzuerhalten.“

Tatsächlich mussten die Hautstädter, für die der Ex-Doberaner Tom Kröplin vier Tore erzielte, zu­sehen, wie die Einheimischen gegen Ende mehrfach auf drei Treffer verkürzten – zuletzt beim 25:28 (57.). In Gefahr geriet der verdiente BFC-Sieg aber in keiner Phase, auch weil es den Gastgebern insgesamt an spielerischem Vermögen fehlte. Letztlich stellte der DSV noch einmal unter Beweis, dass der Abstieg nach 13 Jahren Oberliga-Zugehörigkeit kein Zufall war.

Unterdessen blickten die Verantwortlichen am Sonnabend bereits voraus. Die Doberaner Fans werden sich in der MV-Liga mit zahlreichen Derbys wohl auf eine „neue“ Mannschaft einstellen müssen. Bislang haben erst wenige Akteure für die neue Saison zugesagt. DSV-Chef Hartmut Polzin und Abteilungsleiter Torsten Römer führen seit ein paar Wochen Gespräche mit potenziellen neuen Spielern, ohne dass es bisher konkrete Ergebnisse gibt.

„Wir werden uns auf jeden Fall erstmal finden müssen“, gibt Römer vor. Für Polzin steht im Vordergrund, dass „wir zum Saisonbeginn eine vernünftige Mannschaft ins Rennen schicken können“. Dieses Team zu formen, wird die Aufgabe von Andreas Köster sein. „Der Abstieg ist zwar nicht schön, aber ich bin fest entschlossen, hier etwas Neues aufzubauen“, sagte der Coach. Dessen Bilanz seit der Amtsübernahme Anfang des Jahres: drei Siege, sechs Niederlagen.

Auch wenn der Abstieg nunmehr feststeht, sollte sich die DSV-Sieben in den beiden letzten Saisonspielen mit Anstand verabschieden. Am kommenden Sonnabend steht das vorerst letzte MV-Derby in der Oberliga an – beim SV Fortuna Neubrandenburg. Um eine nicht ganz unwesentliche Kleinigkeit geht es dabei schon noch: Wenn die Doberaner mit mehr als zwei Toren Differenz verlieren, werden sie aller Wahrscheinlichkeit nach als Tabellenletzter absteigen. Wenigstens das sollte verhindert werden.

Bad Doberaner SV: Prothmann, F. Voigt – S. Voigt 5/4, Rasch 4, Traub 1, Jahn 1, Stöwsand, Fandrich, Glaser, Paul 1, Meyer 3, Schulz 5, Lendner 2, Vizhbovskyy 3.

BFC Preussen: Groenendijk, Heesch – Warrener 2, Pahlen 6, M. Bachmann 2, Rogmann 1, Bannicke 3, Klein, Bensch, Nitzsche 3, Hanisch 10/2, Köppen, Kröplin 4/1.

Siebenmeter: DSV 4/4, Preussen 5/3.

Strafminuten: DSV 12 inklusive Rot gegen Traub nach der dritten Zeitstrafe (58.), Preussen 6.