Doberaner SV landet Befreiungsschlag

Oberliga-Sieben aus der Münsterstadt gewinnt das Kellerduell gegen VfV Spandau durch Last-Minute-Tor

Bad Doberan. Schlecht gespielt und doch gewonnen: Die Oberliga-Handballer des Bad Doberaner SV haben das Kellerduell gegen den VfV Spandau mit 28:27 (16:14) für sich entschieden, dabei aber spielerisch viele Wünsche offengelassen. Vor rund 250 Zuschauern in der heimischen Stadthalle ließ Sebastian Voigt sein Team 17 Sekunden vor dem Abpfiff mit einem verwandelten Siebenmeter jubeln.

Nach der couragierten Vorstellung beim 30:31 gegen den Tabellenzweiten HSV Insel Usedom vor Wochenfrist gingen die Hausherren als Schlusslicht leicht favorisiert in die Partie gegen den Drittletzten. Sie schienen dieser Rolle bei einer 7:3-Führung nach neun Minuten auch gerecht zu werden. Doch danach lief gegen einen Gegner, der außer einem starken Rückraum-Trio (21 Treffer) nicht allzu viel zu bieten hatte, kaum noch etwas zusammen. „Egal, wir haben die beiden Punkte“, meinte Trainer Lars Rabenhorst nach der in der Schlussphase überaus spannenden Begegnung und atmete tief durch. Allerdings wusste er auch: „Wir haben in den letzten fünf Minuten ohne Kopf gespielt.“ Dadurch geriet der beim 27:24 (54.) schon perfekt geglaubte Sieg noch einmal in akute Gefahr. Die Berliner verkürzten auf 25:27 und glichen innerhalb von 30 Sekunden aus (27:27/59.).

In dieser Phase agierten die Hausherren – wie schon zuvor über weite Strecken – nicht wie ein Oberligist. Fehlwürfe und einfachste Ballverluste in der Offensive sowie eine Abwehr, die bereits beim Rückzugsverhalten auf den Halbpositionen schwächelte, ließen nie einen geordneten Spielaufbau zu. Die Doberaner hatten Glück, dass Florian Voigt, der Kapitän Sebastian Prothmann in den letzten 15 Minuten zwischen den Pfosten ablöste, sofort auf „Betriebstemperatur“ war und die beiden Punkte festhielt.

„Ich habe schon auf der Bank versucht, die Jungs heiß zu machen“, sagte der 20-Jährige bescheiden, übte dann aber doch vorsichtig Kritik an seinen Vorderleuten: „In der Abwehr haben wir noch Reserven.“ Das trifft allerdings auch für den Angriff zu. Viel zu wenig kam aus dem Rückraum, wo die Verantwortung immer wieder an Routinier Yan Vizhbovskyy delegiert wurde. Der 41-Jährige traf zwar fünfmal, doch seinen Nebenleuten Sebastian Voigt und Ben Meyer gelang aus dem Spiel heraus nur jeweils ein Treffer – viel zu wenig.

Dafür wurden neben Florian ­Voigt die Außen Hannes Schulz und Tim Lehwald (je 6 Tore) zu Matchwinnern, wobei der 19-jährige Schulz nur sieben Versuche benötigte. Auch dadurch blieb es unbestraft, dass der DSV einen weiteren klaren Vorsprung (22:17/39.) aus der Hand gab. Am Ende brauchte sie Sebastian Voigts Nervenstärke, der sechsmal zum Siebenmeter antrat und sechsmal traf.

Mit nunmehr 6:14 Punkten (Platz 13) haben die Doberaner den Anschluss ans Mittelfeld gewahrt. Am kommenden Sonnabend geht’s in die Hauptstadt, wo der BFC Preussen (7:9/7.) wartet.

Doberaner SV: Prothmann, F. Voigt – S.  Voigt 7/6, Rasch, Jahn 2, Stöwsand, Sachse 1, Glaser, Paul, Meyer 1, Schulz 6, Holst, Lehwald 6, Vizhbovskyy 5.

VfV Spandau: R. Walter, D. Finck – Zander, A. Finck 2, Hasper, Bambach, Rau 5, Germann 7/3, Leyer 9/2, Hoffmann 3, Woyde, G. Walter, Münster 1.

Siebenmeter: DSV 7/6, VfV 7/5.

Strafminuten: DSV 10, VfV 2.

Burkhard Ehlers / OSTSEE-ZEITUNG