Matthias Jahn: Keiner hat den Kampf angenommen

Bad Doberaner Oberliga-Handballer präsentieren sich bei der 20:35-Heimklatsche gegen den Stralsunder HV in erschreckend schwacher Verfassung

Bad Doberan. Das war ein Offenbarungseid! Die Oberliga-Handballer des Bad Doberaner SV haben sich am Sonnabend von Spitzenreiter Stralsunder HV aus der eigenen Halle fegen lassen. Vor 400 Zuschauern kassierten sie eine deprimierende 20:35 (12:20)-Klatsche und boten dabei eine erschreckend schwache Leistung. „Ich hatte früher vor einem Derby einen Tunnelblick, wir hatten heute gar nichts. Es war ein langweiliges, weil einseitiges Spiel“, war DSV-Coach Lars Rabenhorst stinksauer.

Dass die Hausherren als krasser Außenseiter in die Partie gegen den Aufstiegsfavoriten gehen würden, war vorher klar. Dass sie sich derart desolat in ihr Schicksal fügen, konnte man nicht erwarten.

Zwar führten sie zu Beginn zweimal (1:0 und 2:1), doch dann nahm das Unheil seinen Lauf. Eigentlich hätten die Unparteiischen das ungleiche Duell nach einer Viertelstunde beim Stand von 4:11 beenden können, doch es sollte noch schlimmer für die Doberaner kommen. Sie fanden kaum ein Mittel gegen die starke SHV-Abwehr, hinter der die Torhüter Tobias Malitz und Tom Korth einen ruhigen Abend verlebten.

Hinten agierten die Hausherren „wie eine A-Jugendmannschaft“, so Kreisläufer Matthias Jahn. Darüber staunte auch SHV-Spielmacher Martin Brandt. „In einem Derby hatten wir eigentlich mehr Gegenwehr erwartet“, wunderte sich der 29-Jährige über den emotionslosen Auftritt des Kontrahenten. Matthias Jahn wusste, warum das so war: „Keiner hat den Kampf angenommen.“

Das Ergebnis: Die DSV-Sieben fand in keiner Phase zu ihrem Spiel. Dass die Stralsunder „eigentlich eine Liga höher“ spielen müssten, konnte ebenso wenig eine Entschuldigung sein wie der Umstand, dass Routinier Yan Vizhbovskyy frühzeitig mit einer Wadenverletzung zuschauen musste. Zu hilflos standen die Gastgeber dem Druck der Männer vom Strelasund gegenüber.

Vor allem die zweite Welle rollte wie ein Tsunami über die Einheimischen – und forderte „Opfer“. Mehr als die Hälfte ihrer 35 Treffer erzielten die Gäste, die nach der Pause ohne einen Bruch im Spiel die zweite Reihe brachten, auf diese Art und Weise. Dabei holte Ole Prüter zahlreiche Siebenmeter heraus, die Benjamin Hinz (insgesamt 13 Treffer) traumhaft sicher verwandelte. DSV-Keeper Florian Voigt drückte es drastisch aus: „Die Abwehr war Scheiße“, meinte der 19-Jährige und fügte an: „Wir haben unglaublich viele falsche Entscheidungen getroffen.“

Was blieb, waren frustrierte Doberaner, die das Debakel jedoch schnell abhaken müssen. Schon am kommenden Sonnabend steigt beim Grünheider SV das Kellerduell – die beiden Kontrahenten des Schlussduos haben 2:8 Punkte auf ihrem Konto, wobei die Brandenburger über die deutlich bessere Tordifferenz verfügen. Die Rabenhorst-Truppe muss vor allem zwei Dinge tun: endlich als Team zusammenfinden und die permanente Auswärtsschwäche ablegen. Sonst könnte es frühzeitig ein böses Erwachen geben.

Bad Doberaner SV: F. Voigt, French – S. Voigt 6/4, Rinas 1, Rasch, Traub 1, Jahn, Stöwsand, Sachse 1, Glaser 1, Meyer 3, Schulz 4, Lehwald 2, Vizhbovskyy 1.

Stralsunder HV: Malitz, Korth – Tippelt 3, Landwehrs 2, Brandt 4, Hoffmann 1, Vanek 2, Hinz 13/9, Obst 3, Prüter, Zemlin 1, Trupp 4, Ehlers 1, Fischer 1.

Siebenmeter: DSV 4/4, SHV 10/9.

Strafminuten: DSV 12, SHV 8.